Ich wähle Frieden

Stell dir vor, du wirst eines Morgens wach und hast wunderbar geschlafen. Du fühlst dich ausgeruht, bist voller positiver Energie und möchtest motiviert in den neuen Tag starten.

Du blickst aus dem Fenster, der Himmel ist blau und die Sonne scheint. Du bist davon überzeugt, es wird ein wundervoller Tag. Du steigst aus dem Bett und streckst dich nochmal genüsslich, bevor du in die Küche gehst.

Auf dem Weg dorthin vernimmst du plötzlich einen unangenehmen penetranten Geruch. Dir wird fast schlecht. Je mehr du dich deiner Haustüre näherst, umso unerträglicher wird der Gestank. Du öffnest die Türe und traust deinen Augen nicht. Du blinzelst und musst dir gleichzeitig die Nase zuhalten. Vor dir liegt ein riesengroßer Misthaufen. Du blickst dich instinktiv nach dem Übeltäter um, aber niemand befindet sich in der Nähe. Die Straße ist menschenleer. Es gibt nur dich und den Misthaufen.

Du kannst es einfach nicht fassen. Deine innere Stimme tobt: „Welcher Vollidiot ist auf diese bescheuerte Idee gekommen?! Was soll das Ganze? Wer war das bloß und warum?! Sowas habe ich wirklich nicht verdient!! Jemand will mich fertig machen. Mein Tag ist hinüber!“

Du fängst vor Wut an zu weinen, weil du es so ungerecht findest, dass jemand so gemein und rücksichtslos sein kann. Na ja,… so hätte ich auf jeden Fall reagiert.

Die einfache und übliche Reaktion ist, du ärgerst dich über die Situation. Du ärgerst dich über mehrere Tage oder Wochen hinweg (manchmal sogar über Monate oder Jahre). Du versuchst mit allen Mitteln den Schuldigen ausfindig zu machen. Du schmiedest Rachepläne. Du zerbrichst dir unaufhörlich den Kopf, wer dahinter stecken könnte.

Du gehst mental durch mit wem du in letzter Zeit einen Konflikt hattest und wer dir eins reinwürgen will. Du steckst deine ganze Energie in das Problem und dein Fokus ist voll darauf ausgerichtet. Dein Körper reagiert ebenfalls. Du bekommst Kopfschmerzen, dein Herz rast, dein Magen ist zugeschnürt.

In der Zwischenzeit liegt der Misthaufen immer noch vor deiner Türe. Es ist ausgeschlossen, dass du ihn beseitigst. „Der Schuldige soll sich gefälligst die Hände selber schmutzig machen! Soweit kommt es noch, dass ich den Mist von anderen weg mache!“.

Du lässt so viele Menschen wie möglich an deinem Mist bzw. an deiner Misere teilhaben. Wenn du schon nicht herausbekommst wer sich diesen üblen Scherz erlaubt hat, dann sollen deine Mitmenschen dich wenigstens bedauern und mit dir gemeinsam Ihre Empörung kundtun. Geteiltes Leid ist doch halbes Leid, nicht wahr?

Die andere Möglichkeit wäre, du krempelst deine Ärmel hoch und schnappst dir eine Mistgabel und eine Schubkarre. Du schaffst den Mist weg, Stück für Stück. Am Anfang wird dir schlecht von dem Gestank und du sträubst dich gewaltig dagegen. Du möchtest am liebsten alles hinschmeißen.

Doch innerlich weißt du, es ist das einzig Richtige. Du kannst andere Menschen bitten dir zu helfen, aber am Ende liegt es an dir, die Entscheidung zu treffen und aus dem Drama-Modus rauszukommen. Nur du allein kannst deine Einfahrt wieder frei bekommen und niemand anderes kann deinen Mist wegräumen.

Unser Leben scheint uns manchmal so ungerecht. Alles läuft bestens, wir sind glücklich und zufrieden und ein einziges Ereignis bringt uns dennoch komplett aus dem Gleichgewicht. Wir verurteilen das Leben und fragen uns wie wir das bloß verdient haben. Wir werden deprimiert, verfallen manchmal sogar in Depression. Unser Geist und unser Körper werden krank.

Es passiert mir regelmäßig mich ungerecht behandelt zu fühlen. Kleine und große Misthaufen werden vor meiner Tür abgeladen ganz ohne meine Zustimmung.

Ich plane zum Beispiel seit Wochen einen Ausflug mit einer Freundin, bin voller Vorfreude und sie sagt im letzten Moment ab. Ich gehe an der Arbeit munter ans Telefon und werde fertig gemacht, weil die Frist einer Baustelle nicht eingehalten wurde. Ich schreibe einem geliebten Menschen wie wichtig er oder sie mir ist und bekomme darauf keine Antwort. Ich parke zwei Minuten, um bei der Post etwas abzuholen und bekomme einen Strafzettel.

Ganz davon zu schweigen, wenn unser Partner oder unsere Partnerin uns für jemand anderen verlässt oder wenn wir nach jahrelangen treuen Diensten an unserer Arbeitsstelle entlassen werden.

Wir verspüren Wut, Ärger, Hoffnungslosigkeit, Trauer, Angst. Wir fühlen uns machtlos gegenüber so viel Ungerechtigkeit. Wir verstehen nicht, wie uns das Leben so etwas antun kann.

Wenn ich nicht mehr weiter weiß, versuche ich mich in solchen Situationen zu erinnern wie kostbar meine Energie ist. Und, dass nur ich dafür verantwortlich bin wohin ich meinen Fokus ausrichte.

Ehrlich, an der Situation kann doch eh nichts geändert werden. Sie gehört der Vergangenheit an. Was bringt es uns also länger als nötig an dieser negativen Energie festzuhalten und sie in die Länge ziehen zu wollen?

Es ist klar, die Sache stinkt gewaltig… Aber die Wahrheit ist, das Leben hat uns ein wunderbares Geschenk mit auf den Weg gegeben. Das Geschenk zu wählen, wer wir sein wollen in unserem Leben und wie wir uns verhalten wollen, wenn mal wieder ein Misthaufen vor unserer Haustüre abgeladen wird bzw. wenn plötzlich etwas passiert und wir uns ungerecht behandelt fühlen.

Keiner von uns möchte sich jedes Mal aus dem Gleichgewicht bringen lassen, wenn etwas Ungerechtes passiert und somit unsere Liebsten mit in unser Unglück ziehen.

Es ist ganz natürlich sich ab und an zu ärgern über eine Situation, zu trauern oder niedergeschlagen zu sein, keine Lust mehr zu haben. Wir müssen auch diesen Gefühlen Raum geben und sie einfach da sein lassen.

Sobald wir das Gefühl wahrnehmen und dieser Energie die Möglichkeit geben frei durch unseren Körper zu zirkulieren, wird sie nach und nach verblassen. Aber es bringt rein Garnichts das Drama in die Länge zu ziehen und das Problem wichtiger als die Lösung zu machen.

Es ist wunderbar beruhigend zu wissen, dass alles in unserer Hand liegt. Wir können für unser Leben, für unsere Reaktionen und für unsere Handlungen gerade stehen.

Indem wir dem Misthaufen nicht gestatten uns länger runter zu ziehen als nötig, bringen wir auch unsere Mitmenschen dazu lösungsorientierter zu werden.

Am Ende dieser Reise befindet sich Frieden, wenn wir versuchen den unerwünschten Ereignissen in unserem Leben mit Gleichmut zu begegnen.

Es wird leider nicht umgehend funktionieren und ich weiß wie frustrierend das ist. Unser Ego wird sich lauthals dagegen sträuben. Doch wenn wir unseren Geist geduldig darauf konditionieren gleichmütig zu reagieren, wird auch unser Körper sich immer mehr beruhigen. Wir werden selbstsicherer und wissen nun, dass nichts in der Außenwelt uns mehr etwas anhaben kann. Wir blicken voller inneren Frieden und Vertrauen in unsere Zukunft und das ist meines Erachtens jede Schubkarre wert.

Love, Christine

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