Focus : mode on!

Es war einmal ein junger Mönch in einem alten abgelegenen Kloster. Dieses war schon seit längerer Zeit in einem katastrophalen Zustand und renovierungsbedürftig. So kam es eines Tages, dass der Mönch selbst Hand anlegen musste, um eine neue Mauer zu bauen.

Er sammelte Material zusammen und fing voller Enthusiasmus an. Doch so einfach wie er es sich vorgestellt hatte, war es nicht. Er gab sich alle Mühe die Ziegelsteine gerade und regelmäßig aufzustellen, doch jedes Mal rutschte einer weg und der Zement quoll überall hervor. Nur mir viel Geduld und nach mehreren schweißtreibenden Tagen, schaffte er es schließlich die Mauer fertigzustellen.

Er trat ein paar Schritte zurück und blickte sein vollendetes Werk voller Stolz an. Doch auf einmal stockte ihm der Atem, er traute seinen Augen nicht. Mitten in der Mauer erblickte er zwei Steine die komplett schief und kleiner als die anderen waren. Sie fielen ihm direkt ins Auge und er war drauf und dran die Mauer abzureißen.

Dies wurde ihm jedoch vom Abt untersagt. Die Mauer sollte genau so stehen bleiben. Der Mönch schämte und ärgerte sich fürchterlich über sein Ungeschick. Jedes Mal, wenn er an der Mauer vorbeiging wurde sein Unbehagen auf‘s Neue wachgerüttelt.

Mehrere Wochen vergingen und eines Tages machten Besucher einen Rundgang durch das Kloster. Der Mönch führte sie durch das Anwesen und wollte einen weiten Bogen um die neue Mauer machen. Er schämte sich in Grund und Boden. Doch einer der Besucher bemerkte die Mauer aus der Ferne. Er wollte wissen, wer diese schöne Mauer gebaut habe.

„Schön?!“, fragte der Mönch entrüstet. „Haben Sie Tomaten auf den Augen? Sehen Sie denn nicht die zwei krummen fürchterlichen Steine da in der Mitte? Das kann doch wohl kaum ihr Ernst sein!“ „Ich sehe die zwei schiefen Steine sehr wohl“, antworte der Besucher. „Aber ich sehe auch die 998 anderen wunderbar angeordneten und schönen Steine.“

Als ich diese Geschichte zum ersten Mal las, war ich zutiefst berührt, wie viel Wahrheit doch darin steckt. Wir fokussieren uns so oft auf die Fehler im Leben, sei es bei unseren Mitmenschen oder bei uns selbst. Wir loben uns selten, denn Eigenlob stinkt ja, hab ich mir mal sagen lassen. Wir sind kaum dankbar, für das was momentan in unserem Leben wunderbar läuft und vergessen, welchen Weg wir schon zurückgelegt haben.

Bei den meisten von uns ist es so, dass wir uns verurteilen, wenn wir mal schlechter drauf sind, wenn wir deprimiert sind, und auf nichts mehr Lust haben. Wir machen Fehler und unsere Energie sinkt. Sogar unser Spiegelbild macht sich einen Spaß daraus, uns nur noch auf unsere scheinbaren Makel aufmerksam zu machen. Plötzlich gefällt uns immer mehr an unserem äußeren Erscheinungsbild nicht mehr. Unsere Mitmenschen können uns in diesen Augenblicken versuchen vom Gegenteil zu überzeugen, aber der Schuss geht meistens nach hinten los.

An dem Tag, an dem wir aufhören nur die zwei mangelhaften Ziegelsteine zu sehen, passiert etwas Magisches.

Wenn wir erkennen was bereits Wunderbares in unserem Leben vorhanden ist, dann durchbrechen wir den Nebel, der unsere Sicht für all die schönen Dinge in unserem Leben trübt.

Es sind nicht die Glücklichen, die dankbar sind; es sind die Dankbaren die glücklich sind. – Francis Bacon

Hast du dir schon mal darüber Gedanken gemacht was aktuell gut in deinem Leben läuft? Oder was gut lief und was noch alles Wundervolles auf dich wartet?

Als ich angefangen habe dankbar für die 998 wunderschönen Steine zu sein, hat sich mein Leben von Grund auf verändert. Ich nehme mir jeden Morgen 2 Minuten Zeit, um aktiv meine Dankbarkeit auszusprechen. Dazu gehört auch meine außerordentliche Dankbarkeit gegenüber Laura Malina Seiler, die mich zutiefst berührt und die definitiv zum Beginn meiner spirituellen Reise beigetragen hat.

Dazu setzt du dich am besten bequem hin und schaltest deinen Timer ein auf 2 Minuten. Schließe deine Augen, atme tief ein und aus. Fühle in dich hinein und stelle dir die Frage, wofür du momentan dankbar bist.

Gehe mental durch was du schon alles erleben durftest, welche wundervollen Menschen du schon treffen konntest und was aktuell in deinem Leben wunderbar läuft. Bedanke dich auch für alles was noch vor dir liegt, die Projekte die darauf warten, von dir angegangen zu werden und die Erlebnisse die dein Herz jetzt schon höher schlagen lassen.

Atme nochmal tief ein und aus. Öffne deine Augen und fühle in dich hinein.

Wenn wir anfangen uns ernsthaft darüber Gedanken zu machen welche kleinen und großen Wunder unser Leben bereichern, kommen so einige zusammen. Sei es unser Körper, der Tag für Tag funktioniert, unser Atem der fortwährend fließt, unser Herz das mühelos für uns schlägt. Wir leben und stellen ein wahres Wunder der Natur dar.

Sei es ein Dach über dem Kopf, einen Job, dem wir nachgehen, Erfahrungen die wir sammeln können. Unsere Freunde und unsere Familie, die uns schon so lange unterstützen. Alltägliche Dinge, wie zum Beispiel ein leckeres Essen, das mit Liebe zubereitet wurde, die angenehme Wärme der Sonne auf unserer Haut, unsere Lieblingsmusik im Radio, das Lächeln eines Fremden.

Ich versuche bewusst, den 2 Ziegelsteinen keine Aufmerksamkeit mehr zu schenken und mich nicht länger von ihnen runterziehen zu lassen. Meine innere Stimme erinnert mich daran aufzuschauen und wahrzunehmen, was ich schon alles in meinem Leben erreicht habe und wo ich jetzt stehe.

Diese Vision versuche ich auch gegenüber meinen Mitmenschen einzuhalten. Ich meine, wir kennen es alle, eine gute Freundin oder ein guter Freund hat jenes gesagt oder dies getan und schon konzentrieren wir uns nur auf den Fehler, der begangen wurde. Aber hey, was ist mit den restlichen anderen Tagen im Jahr, an welchen sie oder er uns liebevoll unterstützt? Was ist mit dem Kollegen, der uns heute höllisch aufregt, aber der uns an anderen Tagen mit seinem unfassbaren Humor zum Lachen bringt? Was ist mit unseren Eltern, die manchmal von einem anderen Planeten zu kommen scheinen, uns aber, wenn es hart auf hart kommt, liebevoll und voller Mitgefühl in den Arm nehmen?

Indem du mit dir weniger kritisch umgehst, gibst du auch deinen Mitmenschen die Möglichkeit sie selbst zu sein und aufzublühen mit ihren guten und „schlechten Seiten“. Denn wer möchte schon eine perfekt angereihte langweilige Mauer, wenn das Leben Steine in allen Formen und Farben anzubieten hat?

Love, Christine

2 Gedanken zu “Focus : mode on!

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