Die Geschichte vom Glück

Vor langer Zeit lebte eine wunderschöne Königin in einem sehr fernen Land. Ihr gehörte ein bezauberndes Königreich, dessen Untertanen sie liebten und achteten. Sie besaß alles, was sie sich je erträumt hatte. Sogar die Sonne konnte nicht anders als in ihrer Anwesenheit unentwegt zu scheinen.

Wo die Königin auch hinschaute, erblickte sie Schönheit und sie wusste, dass sie all dies erschaffen hatte. Doch auch wenn ihr Leben unbeschreiblich leicht und voller Freude schien, war sie nicht immer glücklich. Wieder einmal stellte sie ihr Leben in Frage und erkannte plötzlich keinen Sinn mehr für ihr Dasein auf Erden.

Sie hatte von einer alten Frau gehört, die fernab im Wald lebte und, so munkelte man, magische Kräfte besitzen sollte. Sie hatte den Entschluss gefasst diese aufzusuchen und sie darum zu bitten ihr bei ihrer Suche nach dem ewigen Glück zu helfen.

Die Königin bestellte die Greisin an den Hof und war verblüfft, als sie diese erblickte. Sie sah so alt und zerbrechlich aus. Sie wollte kaum glauben, dass diese Frau ihr irgendwie helfen könne. Aber als die alte Frau zu ihr aufblickte, ging plötzlich etwas Magisches von ihrem ganzen Wesen aus. Ihre Augen leuchteten so stark, sie funkelten wie Sterne.

All ihre Zweifel waren verschwunden und sie flehte die alte Frau an, ihr den Weg zu weisen, welcher sie fortwährend glücklich machen würde. Die Greisin blickte die Königin gutmütig an und versprach ihr in ein paar Tagen mit einem Geschenk zurück zu kommen. Die Königin war nun voller Zuversicht und sehnte die Rückkehr der alten Frau herbei.

Nach scheinbar unendlichen Tagen, war es endlich soweit und die alte Frau traf wieder am Hof ein. Die Königin blickte sie voller Sehnsucht an und sah, dass sie ein kleines Päckchen in ihren Händen hielt, welches sie ihr überreichte. Die Königin wickelte es ungeduldig aus, doch was sie erblickte, ließ ihre Aufregung augenblicklich sinken. Sie schaute hinab auf einen wunderschönen goldenen Ring.

„Ich besitze so viele Ringe werte Greisin und glaube mir, keiner von ihnen konnte mich bisher unendlich glücklich machen.“ Sie wollte sich schon in ihre Gemächer zurückziehen, soviel Trauer überkam sie auf einmal. Doch die alte Frau hielt sie auf indem sie rief: „Werft einen Blick auf die Inschrift meine treue Königin“. Sie schaute herab, drehte den Ring und las: „Auch dies geht vorbei.“

Als ich anfing mich mit persönlicher Weiterentwicklung zu beschäftigen, habe ich anfangs vergeblich gedacht und erhofft, dass ich nun endlich das ultimative Rezept für das ewige Glücklichsein finden würde. Nichts würde mir mehr etwas anhaben können, ich würde meiner Zukunft voller Gelassenheit entgegenblicken und würde so starkes Selbstbewusstsein und stetiges Vertrauen aufbauen, sodass Zweifel keinen Platz mehr in meinem Leben hätten. Aber ich musste schnell feststellen, dass dies schier eine unerfüllbare und utopische Vorstellung vom Leben darstellt.

Ich werde regelmäßig von Zweifeln geplagt und muss zugeben, dass mein ganzes Leben in manchen Phasen quasi aus Zweifeln besteht.

„Hätte ich vielleicht besser den Mund halten sollen? Was wäre, wenn ich in dieser Situation anders gehandelt hätte? Warum geht es mir auf einmal so schlecht obwohl es mir gestern noch so gut ging? Habe ich die Trennung vielleicht doch noch nicht ganz überstanden? Werde ich jemals glücklich sein? Warum kommt das Gefühl der Leere denn jetzt doch wieder auf?“

Sogar was meinen Blog angeht hatte und habe ich immer noch ab und zu Zweifel. „Bin ich überhaupt gut genug fürs Schreiben? Wird sich das nicht blöd anhören? Sollte ich das Ganze besser für mich behalten? Ist das wirklich mein Weg?“

Na ja, so viele Fragen und viele andere gehen mir regelmäßig durch den Kopf. An manchen Tagen kann ich mit ihnen vollkommen souverän umgehen. Ich kann ganz logisch schlussfolgern, dass ich auf jeden Fall die richtige Entscheidung getroffen habe und dass alles genau so seine Richtigkeit hat. Mir fällt es leicht meinen Fokus in die von mir gewünschte Richtung zu lenken und mich nicht mit meinen Gedanken und Gefühlen zu identifizieren.

Aber auf jedes Hoch folgt bekanntlich ein Tief und so war es bei mir vor kurzer Zeit wieder. Alte Ängste kamen wieder in mir hoch, mein Selbstbewusstsein sank, ich fühlte mich einsam und verloren. In diesen Momenten will ich am liebsten alles über den Haufen schmeißen, mich irgendwo verkriechen und abwarten bis nie negativen Emotionen von mir ablassen. Ich verfalle in eine wahrhafte Sinnkrise.

Frieden entsteht, wenn wir aufhören zu kämpfen. – Laura Malina Seiler

Aber die Wahrheit ist, wir müssen endlich die Vorstellung aufgeben, dass unser Leben irgendwann linear verlaufen wird. Wir müssen endlich aufhören für unaufhörliches Glück zu kämpfen. Wir müssen uns geschlagen geben und einsehen, dass es auch Tage geben wird in dem die Grenze zwischen unserem Bewusstsein und unserem Unterbewusstsein so durchlässig wird, dass alte negative Glaubenssätze, längst vergessene Ängste, schmerzhafte Erinnerungen und Hoffnungen in uns hoch kommen müssen und werden.

Das Leben ist ein fortwährender Kreislauf von Geburt, Tod, und Wiedergeburt. Sei es die Natur mit ihren Jahreszeiten, unsere Kreativität, unser Körper, unsere wertvolle Energie oder unsere Gedanken.

Ich fing an besonders den weiblichen Zyklus genauer unter die Lupe zu nehmen und musste feststellen, wie viel Einfluss dieser tatsächlich auf mich hat. Ich habe angefangen Buch zu führen, um einen Überblick über meine Tagesformen zu bekommen. Von Ängsten und Zweifeln, bis zu präziser Organisation und Planung, hinüber zu aufblühender Kreativität und Tatendrang, bis zu Rückzug, Einsamkeit und Traurigkeit hatte ich tatsächlich alles in einem Monat durchlaufen.

Das Leben gibt dir solange die gleiche Aufgabe, bis du sie löst. – Laura Malina Seiler

Ich versuche nun mich mit dem gegenwärtigen Augenblick anzufreunden, ihn nicht wegzuwünschen und nicht vor ihm weglaufen zu wollen. Doch es fällt mir oft schwer und ich bin eine Meisterin im „Nicht fühlen wollen“. Ich will wegrennen und mich irgendwie ablenken. Aber so funktionniert es einfach nicht.

Als zyklische Wesen ist es uns zwar möglich unsere Gefühle in gewisser Weise auf Stopp zu stellen oder durch eine Tätigkeit zu unterdrücken, aber wenn wir ihnen nicht entschlossen entgegen blicken, kommen sie nach ein paar Tagen, Wochen, Monaten, oder sogar manchmal nach Jahren wieder bei uns anklopfen und fordern uns auf hinzusehen.

Auch eine noch so unerträgliche und scheinbar unüberbrückbare Situation geht irgendwann vorbei. Es ist essenziell, die Wirklichkeit so zu sehen wie sie ist und nicht wie wir sie gerne hätten.

Wenn du in deinem Leben eine Phase durchläufst, in der es dir nicht gut geht und du spürst, dass deine Energie sinkt, dann verstelle dich nicht. Wenn du weinen willst, dann tu es, wenn eine unerklärliche Wut dich packt, dann lass zu, dass diese Energie deinen Körper durchströmt, unterdrücke sie nicht. Wenn du dich einsam fühlst und dich nach Nähe sehnst, teile dies mit geliebten Menschen, verstecke dich nicht und du wirst feststellen wie viele andere Menschen manchmal ebenfalls in einer solchen Situation feststecken. Erinnere dich jedoch immer daran, dass nichts für die Ewigkeit ist und werde dir bewusst: Auch dies geht vorbei.

Love, Christine ❤

2 Gedanken zu “Die Geschichte vom Glück

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